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Rohstoff Chinaschilf

Das Riesenschilfgras, das zum Leichtbeton wird oder vielleicht doch lieber zum Buch über nachwachsende Rohstoffe?
 
Chinaschilf (Miscanthus x giganteus) auch Riesenschilfgras oder Japanisches Seidengras genannt. Der auch oft verwendete Name „Elefantengras" gehört zu einem anderen Gras aus dem tropischen Westafrika. Das Chinaschilf ist ein Süßgras, das Höhen bis zu 400 cm erreicht. Die Pflanze bildet kurze Rhizome (unterirdisch oder dicht über dem Boden wachsender, verdickter Spross, in dem Reservestoffe gespeichert werden >> keine Wurzeln). Sie blüht in Mitteleuropa nur in sehr warmen Sommern von September bis Oktober. Dabei bildet sie aber keine keimfähigen Samen aus. Ab dem 2. Standjahr sind unter günstigen Bedingungen tägliche Zuwachsraten von 5 bis 10 cm möglich.
 
Bedeutung und Verwendung Im Ursprungsland Japan wurde Chinaschilf als Rohstoff für Matten und Flechtwerk sowie als Futterpflanze genutzt. Aufgrund des hohen Biomasseertrags haben umfangreiche Forschungen ab den 1980er Jahren weitere Verwendungsmöglichkeiten hervorgebracht. Mittlerweile findet man Chinaschilf als Zuschlagstoff für Leichtbeton, Dämmplatten und Ölbinder als auch für Hackschnitzel, Verpackungsmaterial, Papier, Pappe und Tiereinstreu. Energetisch kann Chinaschilf in Biomassefeuerungsanlagen und zur Gasgewinnung genutzt werden. Der Brennwert von 2,5 Kilogramm Chinaschilf entspricht in etwa dem von einem Kilogramm Heizöl.
 
Anbau
Ab dem 3. Jahr sind hohe Ernteerträge möglich. Die Nutzungsdauer liegt bei über 20 Jahren, d.h. für diesen Zeitraum sind weitere Anpflanzungen nicht nötig. Vorteilhaft ist, dass die Pflanze gegen Ende der Vegetationsperiode Nährstoffe aus den Blättern in das Rhizom einlagert. Daher entfällt der Düngeaufwand. Optimaler Erntezeitpunkt für die energetische Nutzung sind die Monate Januar bis März. In Deutschland kann mit Riesenschilf mehr als 20 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und Jahr erzielt werden – im Vergleich dazu beträgt die Biomasseproduktion eines Fichtenwaldes etwa 1 – 2 Tonnen pro Hektar und Jahr.
 
Schon gewusst?
Obwohl Chinaschilf durch die sehr effektive Photosynthese viel Biomasse entwickelt, verbraucht die Pflanze dabei nur einen Bruchteil der Wassermenge, die vergleichbare Pflanzen benötigen. In Mitteleuropa nutzen im Winter viele verschieden Kleinlebewesen, aber auch Rehe und Wildschweine Chinaschilfbestände als Zufluchtsort und Winterquartier. Nach Ende der Vegetationsperiode fallen die Blätter ab und bilden auf dem Boden eine dicke Mulchschicht, die den Boden vor Erosion schützt. Durch Chinaschilf nimmt die Konzentration von Nitraten im Boden ab, daher eignet sich die Pflanze besonders gut in Wasserschutzgebieten.

Dorothea Bigos, 21.06.2010


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