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Rohstoff Kartoffel

Vom Hauptnahrungsmittel zum Industrieallrounder. Die Kartoffel ist vielseitig verwendbar wie kaum ein anderer pflanzlicher Rohstoff.
 
Die Kartoffel (Solanum tuberosum) auch Erdapfel, Krumbiir, Krumbeer, Schucke, Bulwe oder Potacken genannt. Sie ist ein Nachtschattengewächs wie Tomate, Tabak und Paprika. Aus den weißen oder violetten Blüten entwickeln sich nach Fremdbefruchtung grüne, ungenießbare, beerige Früchte, in denen die Samen heranreifen. Die Kartoffelknolle wächst an unterirdischen Seitentrieben und ist ein Speicherorgan, das der ungeschlechtlichen Vermehrung dient. Alle grünen Pflanzenteile und die Samen sind für den Menschen ungenießbar bis leicht giftig.
 
Bedeutung und Verwendung
Die Stärkeindustrie verarbeitet ca. 30 % der jährlichen deutschen Kartoffelernte. Stärke spielt hauptsächlich in der Papierherstellung (Erhöhung der Reißfestigkeit) eine Rolle, wird aber auch für Kleister, Kleber, Reinigungsmittel (Seifen, Waschpulver), Leim, Arzneimittel, biologisch abbaubare Werkstoffe (z.B. Folien, Einweggeschirr und Einkaufstüten) verwendet. Diese können nach Gebrauch umweltfreundlich entsorgt werden. Fast 60 % der Kartoffelernte wird als Nahrungsmittel genutzt, 4 % gehen in die Ethanolgewinnung, 5 % bleiben als Saatgut und nur ca. 1 % wird an Tiere verfüttert.
 
Anbau
Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit wird die Kartoffel heutzutage praktisch auf der ganzen Welt angebaut. In Deutschland nahm die Anbaufläche in den vergangenen Jahren stark ab und betrug 2004 nur noch 293.000 Hektar gegenüber 548.000 im Jahr 1990. Deutschland ist mittlerweile wichtigstes Importland für Frühkartoffeln, die überwiegend aus Frankreich, Italien und Ägypten stammen.
 
Schon gewusst?
Seit ungefähr 7.000 Jahren wird die Kartoffel kultiviert und stellt somit schon lange ein Hauptnahrungsmittel für die Menschen dar. Die heute angebauten Kartoffeln stammen von Sorten ab, die in den Anden vom westlichen Venezuela bis nach Argentinien bzw. dem Chonos-Archipel im Süden von Chile vorkommen. Von den weltweit rund 5.000 Kartoffelsorten wachsen mehr als 3.000 in Peru. Allerdings gedeihen die meisten Sorten aufgrund ihrer geologischen und klimatischen Ansprüche nur dort. Nach Europa kam die Kartoffel wahrscheinlich Mitte des 16. Jahrhunderts und wurde zuerst wegen ihrer schönen Blüte und des vollen Laubes als reine Zierpflanze verwendet. Im Kartoffelanbau unterscheidet man zwischen frühen (90 bis 120 Tage Anbauzeit), mittleren (120 bis 150 Anbauzeit) und späten (150 bis 180 Tage Anbauzeit) Sorten.

Dorothea Bigos, 21.06.2010


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